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Wo die Wölfe sind

Charlotte McConaghy, S. Fischer Verlag


Wenn man den Text auf dem Buchumschlag liest, dann hat man das Gefühl, dass dieses Buch sich eher an Öko-Aktivisten oder Tierschützer wendet und ich finde es schade, dass es damit in eine Ecke gedrängt wird in der es eigentlich gar nichts zu suchen hat, denn das neue Buch von Charlotte McConaghy ist ein richtiger Thriller bei dem eingefleischte Thriller Fans ebenso auf ihre Kosten kommen wie Leser denen es besonders um menschliche Schicksale geht. Natürlich werden auch alle Leser die sich für Tier- und Naturschutz interessieren hier auf ihre Kosten kommen, aber eben nicht nur!


Schon die ersten Seiten haben mich völlig in ihren Bann geschlagen. Es beginnt damit, dass die Protagonistin Inti Flynn sagt: "ich war 8 Jahre alt, als mein Vater mich tötete".

Was für ein krasser Satz, aber dann liest man, das der Vater die Kinder zum ersten Mal beim schlachten eines Tieres teilhaben lassen und sie dann herausgefunden hat das sie am Mirror-Touch-Syndrom leidet. Ich halte mich ja gerne für einen kleinen Mediziner, aber dieses Syndrom war mir völlig neu. Was für eine tolle Idee der Autorin und es hat mich einmal mehr begeistert, wie vielschichtig doch die Autoren sind und wie interessant.

Also dieses Syndrom führt dazu dass die Betroffenen, das was sie sehen wie am eigenen Leib miterleben, sie fühlen mit was eine andere Person empfindet wenn sie es sehen.

So hat x eben das schlachten des Kaninchen, miterlebt.

Interessant ist, dass die Zwillingsschwester, ganz anders ist und dass sie auch dafür verantwortlich ist, dass die Mädchen die Situation miterleben.

Die Handlung springt immer wieder hin und her zwischen der Vergangenheit der Mädchen, wie sie aufwachsen, wie sie Jugendliche sind und schließlich erwachsen und der aktuellen Situation in der Inti Flynn ein Projekt leitet in dem Wölfe in Schottland angesiedelt werden.

Hier ist wunderbar beschrieben, wie der Konflikt zwischen Naturschutz und einheimischer Bevölkerung aussieht. Ja man hat zwischendurch das Gefühl es werden viele Klischees bedient, aber ist es nicht tatsächlich so. dass eben die Menschen in ihren Ängsten sich oft Stereotyp verhalten?!

Es kommt wie es kommen muss, die ansässigen Bauern fühlen sich und ihre Tiere durch die Wölfe und das Projekt bedroht und es entsteht ein Konflikt.

Wer jetzt denkt:"das lese ich sicher nicht, ich will doch nicht lesen wie die schönen Wölfe abgeschlachtet werden". Dem sei gesagt, ja es sterben Wölfe aber es ist absolut auszuhalten und die Autorin verweilt auch nicht in Grausamkeiten oder oder tritt diese breit, sondern sie werden eigentlich recht sachlich geschildert.

Viel schlimmer sind die menschlichen Abgründe die sich in dieser Dorfgemeinschaft auftun und mit denen x konfrontiert wird und dadurch mit ihrer Vergangenheit und ihren Eigenen Dämonen konfrontiert wird und sich diesen und den Dämonen ihrer Schwester stellen muss. Und hier entfaltet sich ein wirklich spannender, dramatischer Thriller bei dessen Aha Moment ich tatsächlich das Buch kurz ablegen und durchschnaufen musste.

Das Buch selbst ist von einem meiner absoluten Lieblingsverlage, S.Fischer Verlag. Ich kann jedem nur empfehlen den Newsletter zu abonnieren, sonst verpasst man die tollen Neuerscheinungen bei denen ich oft gar nicht entscheiden kann welches ich nehmen soll. Das Coverdesign ist wunderschön und im gleichen Stil wie der erste Roman "Zugvögel" von Charlotte McConaghy. Das gefällt mir immer sehr, wenn man ein Buch sieht und gleich weiß, ach das ist das Neue. Der Schreibstil der Autorin hat mir auch sehr gefallen. Wie gesagt, sie hätte es viel blutrünstiger gestalten können, aber grade die kühle Sachlichkeit, eingebettet in einen wirklich schönen und anspruchsvollen Schreibstil und guten Witz, macht dieses Buch so besonders.

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