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"Komplizin" - ein erschreckend ehrlicher Blick hinter die Kulissen der Filmwelt

Winnie M Li, Suhrkamp Verlag


Wer hätte gedacht, dass sich hinter diesem ansprechenden Cover ein echter Juwel verbirgt.

Von Winnie M Li hatte ich noch nichts gehört und dass, obwohl ihr erstes Buch "Nein" wohl für Furore gesorgt hat und eigentlich habe ich dieses Buch in die Hand genommen, weil mir Tatsächlich das Cover so gut gefallen hat.

Irgend etwas an dem Bild hat mich einfach magisch angezogen.

Ob es daran liegt, dass es so aussieht als verberge sich hinter dem halb verdeckten Gesicht, dass einer Asiatin und ich habe auch asiatische Wurzeln?

Liegt es an der Filmrolle, die das Gesicht verdeckt?

Liegt es daran das beides eine Rolle in meinem Leben spielt und wir immer nach uns selbst in den Büchern suchen, die wir lesen?

Nun, wollen wir mal nicht zu philosophisch werden.

Was auch immer mich angezogen hat, ich bin froh, dass es so gewesen ist.

Die Kurzbeschreibung, lässt eher auf einen schweren Stoff schliessen und wenn es um "me too" geht, dann fühlen wir uns eher abgeschreckt und wenden uns angewidert ab, oder wir können uns nicht abwenden, wie bei einem Autounfall wo wir hinsehen, ohne es eigentlich zu wollen.

In diesem Buch geht es um ein ganz spezielles Jahr im Leben von Sarah einer chinesischen jungen Frau, die in einer aufstrebenden Filmproduktionsfirma arbeitet. Der erst richtige Kinofilm der Produktionsfirma wird durch Sarahs mithilfe am Drehbuch zu einem Erfolg in Cannes und bringt Hugo North, einen Milliardär dazu, in die kleine Firma und das nächste Projekt zu investieren. Wo zuvor noch ein familiäres Klima des Zusammenhaltens galt, regiert plötzlich das Geld.

Mit dem Geld kommt wie immer Macht und plötzlich verschieben sich die Machtverhältnisse innerhalb der Firma zu einer Person, dem Geldgeber.

Das Buch ist in der Form der Retrospektive geschrieben. Sarah die von einem Journalisten im Zuge von "me too" zu Gerüchten befragt wird die sich um Hugo North ergeben haben.

Viele Leser mögen den Stil des Nacherzählens nicht, da er nicht so spannungsgeladen nicht so mitreissend ist, doch in diesem Fall funktioniert er bestens und passt genau.

Zwischendurch sind immer wieder Abschnitte eingefügt, in denen sich andere Personen zu Wort melden und der Leser sozusagen eine Mitschrift eines Interviews lesen kann, so wird die Geschichte auch um andere Blickwinkel erweitert.

Was mich wirklich gefesselt hat ist die Ehrlichkeit mit der Winnie M Li diese Geschichte erzählt. Sie lässt zu, dass der Leser die Ambivalenz der Gefühle von Sarah miterlebt. Wie sie selbst mit dem eigenen sexuellen Übergriff umgeht und sich selbst die Schuld daran gibt, was dazu führt, dass sie wieder anderen Frauen nicht helfen kann.

Das ist meiner Meinung nach auch das grösste Problem, bei sexuellen Übergriffen.

So oft passiert es grade im Showbusiness, besonders schönen, besonders starken und herausragenden Frauen. Sie gehen durch ihr Leben und haben das gewisse Etwas und sind etwas Besonderes und genau da liegt das Problem. Wie kann es mir dann passieren, fragen sie sich. Ich bin doch auf der Gewinnerseite, wie kann mir dann so etwas passieren, ich bin doch stark. Also muss ich ja etwas falsch gemacht haben.

Und dann auch noch die Ambivalenz zu der eigenen Sicht auf sich selbst und die Spiegelung der Aussenwelt.

Von aussen bejubelt und innerlich fühlt man sich wie der letzte Dreck, was das Ganze noch schlimmer, noch unverständlicher macht.

Ja, dieses Buch hat mich sehr aufgewühlt und dennoch begeistert und ich kann es nur allen Leserinnen ans Herz legen!

Ganz klar eine *****

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