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Interview mit Jana Voosen - unser Weg nach morgen

Autorin, Schauspielerin

  • Liebe Jana ich habe mit sehr viel Freude Deinen neuen Roman gelesen und war mehr als begeistert, was hat Dich zu diesem Buch inspiriert?


An meinem ersten Roman in dem Genre, «Für immer die Deine», habe ich fast zwanzig Jahre gearbeitet. Die lange Zeit kam vor allem dadurch zustande, dass ich so intensiv zum Zweiten Weltkrieg und Nationalsozialismus recherchiert habe. Im Internet genauso wie in persönlichen Gesprächen mit Zeitzeugen. Als das Buch dann endlich fertig war, wusste ich sofort, dass ich mich noch öfter in dieser Zeit bewegen möchte. Dann erschien plötzlich Lilo, die Hauptfigur, in meinem Kopf. Das angepasste Nesthäkchen einer Hamburger Kaufmannsfamilie und braves Hitlermädel. Von da aus hat sich die Geschichte dann weiterentwickelt.


  • Die Orte die Du beschrieben hast fand ich sehr real, gibt es die kleine Buchhandlung oder das Elternhaus von Lilo?


Die Buchhandlung nicht, die habe ich mir ausgedacht. Das Elternhaus von Lilo gibt es gewissermaßen schon. Es steht aber in Lüneburg und meine Großmutter ist dort aufgewachsen. Hochherrschaftliche Wohnung oben, Ladengeschäft unten. Allerdings habe ich selbst das Haus nur einmal von außen gesehen, ansonsten kenne ich es nur aus ihren Erzählungen. Also ist es gut möglich, dass die Realität nicht viel mit dem zu tun hat, was ich im Buch daraus gemacht habe.


  • Ich war über die Kombination Bund Deutscher Mädel und Swing Kids überrascht, wie kamst Du darauf?


Lilo war ja die erste Figur, die mir erschienen ist, wenn man das so sagen will. Und mich hat der Kontrast zwischen ihr und Ludwig, dem rebellischen Swingboy, interessiert. Auch damals waren ja nicht alle Jugendlichen gleich, das ist genauso wie heute. Die einen gehen für Fridays for Future auf die Straße, während andere ihr Kreuz bei der AFD setzen. Ludwig und Lilo fühlen sich magisch voneinander angezogen, aber ihre politische Einstellung unterscheidet sich immens. Wobei Lilo eigentlich gar keine hat, sondern nur die von ihren Eltern übernommene. Wie das sicher bei vielen Teenagern damals der Fall war.


  • Hast Du Familiengeschichten aus der Zeit des zweiten Weltkriegs, war das überhaupt Thema bei Euch?


Als ich anfing, mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen, lebten meine Großeltern noch und ich habe sie immer und immer wieder mit Fragen gelöchert. Sie haben auch bereitwillig geantwortet. Einige Themen wurden aber trotzdem umschifft, zum Beispiel habe ich wenig über den Einsatz meines Großvaters an der Front erfahren, es war ihm nicht möglich, darüber zu sprechen. Ich glaube, die ganze Generation war durch die Ereignisse von damals traumatisiert.



  • Wenn Du einen Roman beendet hast, beginnst Du dann gleich mit dem nächsten, oder ist das unterschiedlich, je nach dem wann Dich die Muse küsst?


Das kommt ganz darauf an. Ich habe schon an einem Tag ENDE unter die erste Fassung eines Romans geschrieben und dann am nächsten Tag mit dem nächsten Buch begonnen. Manchmal mache ich aber ein paar Wochen Pause, um den Kopf frei zu bekommen. In der Zeit lese ich dann sehr viel, miste die Wohnung aus und kümmere mich um so erfreuliche Sachen wie Steuern oder so. Darauf zu warten, dass die Muse sich zum Küssen bequemt, hat sich bei mir als tückisch erwiesen. Ich muss ihr dazu deutlich meine Bereitschaft signalisieren, sprich, morgens pünktlich an meinem Rechner erscheinen und auf sie warten. Meistens lässt sie sich ein paar Tage bitten, aber irgendwann erbarmt sie sich doch.


  • Sind die Romane in Deinem Kopf schon fix fertig oder entsteht erst alles auf dem Papier?


Ich bin weder eine akribische Plotterin, noch jemand, der einfach so drauflos schreibt. Irgendwas in der Mitte. Bevor ich anfange, habe ich einen groben Handlungsablauf im Kopf, mit Anfang, Mitte und Ende. Vieles entsteht dann erst beim Schreiben. Bei «Unser Weg nach morgen» kannte ich die ungefähren Eckdaten von Lilos Geschichte, von Nele wusste ich aber fast gar nichts. Außer, dass sie einen Buchladen hat und eine Kundin ihr ein geheimnisvolles Manuskript überreicht.


  • Du hast eine Tochter und eine Familie, bist Schauspielerin und Autorin, bleibt da überhaupt noch Zeit zum Lesen?


Die Zeit nehme ich mir, weil mir das wichtig ist. Als meine Tochter ganz klein war, bin ich für eine Weile komplett auf Hörbücher umgestiegen. Ich lief ja ständig mit einem schlafenden Baby im Tuch durch die Gegend. Außerdem war ich zum selber lesen einfach zu müde. Da waren Hörbücher die Rettung. Ich höre auch heute noch, aber am liebsten ist mir doch ein Buch in der Hand. Damit tauche ich deutlich tiefer in die Geschichte ein.


  • Was liest Du am liebsten?


Eigentlich alles, vor allem historisch, Thriller und Jugendbücher.


  • Hast Du ein Lieblingsbuch?


Obwohl ich damit sicher nicht besonders originell bin, muss ich sagen: Harry Potter. Ich habe alle Bände schon mindestens zehnmal gelesen. Und werde es wieder tun.


  • Was würdest Du anderen Frauen raten die auch Autorin werden wollen?


Zunächst einmal: lesen, lesen, lesen. Durch nichts anderes lernt man mehr über das Schreiben. Und dann sollte man natürlich einfach erstmal losschreiben. Ich bin schon oft von Menschen zu dem Thema befragt worden, und viele machen sich Sorgen darum, wie sie veröffentlichen oder einen Agenten bekommen können, und dabei haben sie noch gar kein Buch geschrieben. Aber das ist der erste Schritt. Und man braucht dafür niemanden, außer sich selbst und den Mut, etwas zu riskieren. Zum Beispiel, dass die erste Fassung totaler Schrott sein könnte. Das kann passieren, es gehört zum Prozess. Wer das Schreiben liebt, sollte schreiben. Der Rest findet sich dann irgendwie, bei mir war es so.


  • Jetzt ist Weihnachtszeit, wie verlebst Du diese, hast Du besondere Rituale?


Ich mag Weihnachten, war aber nie jemand, der jetzt ständig auf den Weihnachtsmarkt rennt oder die ganze Wohnung schmückt. Adventskranz, Adventskalender und Tannenbaum, damit erschöpft sich meine Deko auch schon. Ich suche aber nach Besinnlichkeit und schönen Momenten mit lieben Menschen. Der Konsumschlacht versuche ich so gut wie möglich zu entkommen. Zwar gibt es bei uns auch Geschenke, aber wirklich nur ganz wenige.


Liebste Grüße

Jana

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